So, ich bin jetzt seit etwa sieben Jahren offiziell Coach. Ich gehöre zu den ausgebildeten, zertifizierten Coaches — nicht zu den selbsternannten. Ein großer Unterschied, aber dazu komme ich später ;)
Und nachdem ich wirklich gern Coach bin und viel darüber spreche, werd ich immer wieder mal gefragt, wie man den Coach wird. Dieser Beitrag ist meine ehrliche und persönliche Antwort darauf — auch wenn ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe.
So also, wenn mir (wieder mal) jemand sagt: „Ich möchte gerne Coach werden“, kommen mir sofort zwei Gedanken.
Gedanke Nummer eins: “Noch eine/einer”
Gedanke Nummer zwei: Je mehr Coaches, desto besser für uns alle.
Das klingt widersprüchlich. Ist es aber nicht. Beide Gedanken laufen auf dasselbe hinaus: Ja, werde Coach — alle. Aber tu es ethisch. Nimm es ernst. Es ist ein Beruf, den man erlernen muss. Es ist eine Berufung, der man folgen sollte. Und es ist eine Kunst, die verstanden werden will.
Erste Frage: Warum willst du Coach werden?
Das ist tatsächlich eine Coaching-Frage, und ich stelle sie jedes einzelne Mal: Warum willst du Coach werden? Warum ist dir das wichtig? Also so richtig ehrlich?
Willst du den Lifestyle — von überall aus arbeiten, hohe Honorare verlangen, kein Nine-to-Five? Dann wirst du nie ein guter Coach sein. Diese Realität entspricht ohnehin nicht dem Arbeitsalltag der Coaches.
Die Marktrealität, ungeschönt
Wenn du planst, hauptberuflich als Coach zu arbeiten: Das ist ein steiniger Weg, und Kundinnen und Kunden kommen nicht von selbst. Immer mehr Menschen drängen mit wenig bis keiner fundierten Ausbildung auf den Markt, was Coaching insgesamt einen schlechten Ruf verschafft und das Vertrauen in eine eigentlich wunderbare Disziplin untergräbt. Weil es so viele Coaches gibt, herrscht zudem starker Preisdruck — dazu kommt die Konkurrenz großer Plattformen, auf denen sich Kundinnen und Kunden einen Coach aus einer Liste aussuchen. Der Coach erhält dabei nur einen Bruchteil des tatsächlichen Marktwerts; die Plattform übernimmt Vertrieb und Administration und behält den Rest — die Provisionen können bis zu 60–80 % betragen.
Rechne damit, viel Zeit in deine Coaching-Ausbildung zu investieren. Du wirst viel üben. Du wirst viel reflektieren müssen. Es wird nicht immer leicht oder angenehm sein. Du wirst vielleicht weinen, Angst haben oder immer wieder Selbstzweifel überwinden müssen. Aber was auch immer dein Antrieb ist — es lohnt sich, und du wirst auf dem Weg echte Fähigkeiten gewinnen.
Coaching als Führungsinstrument
Willst du Coach werden, um deine Führungskompetenzen auszubauen? Großartig — mach das unbedingt!
Vielleicht möchtest du gar nicht als Coach arbeiten — sondern befindest dich in einer Führungsposition und willst den Schritt vom reinen Managen hin zum echten Entwickeln und Führen von Menschen machen. Coaching-Kompetenzen sind dafür ein enormer Gewinn. Du brauchst dafür keine Zertifizierung, sondern die richtige Haltung und ein paar zentrale Techniken: fragen statt sagen, Raum halten statt mit den eigenen Antworten zu füllen, darauf vertrauen, dass dein Team die Lösung meist schon in sich trägt. Allein diese Verschiebung verändert, wie ein Team unter deiner Führung wächst. Ich finde, jede Führungskraft sollte die Grundlagen des Coachings verstehen, denn genau das ermöglicht es Menschen, zu wachsen. Das heißt nicht, dass du dein Team ständig coachen musst — es bedeutet, dass du eine andere Perspektive gewinnst.
Der erste Schritt - Coaching als Leadership Skill
Bei der Austrian Leadership Academy bieten wir „Coaching as a Leadership Skill“ als Inhouse-Seminar für Unternehmen an — ohne Zertifizierungspfad, ohne mehrjährige Verpflichtung, einfach ein praxisnaher Einstieg für Führungskräfte, die durch Coaching statt durch Kontrolle führen möchten. Für Teams, die das gemeinsam aufbauen möchten, bieten wir zusätzlich „Coaching as a Team Skill“ an. Melde dich gerne bei uns, um eines der beiden Formate für dein Unternehmen zu buchen.
Coaching als Selbstführungs-Tool
Und es gibt noch eine Ebene, die oft übersehen wird: Coaching als Werkzeug der Selbstführung. Lange bevor es dir hilft, andere zu führen, lehrt es dich, dich selbst zu führen — dir die unbequemen „Warum“-Fragen zu stellen, die eigenen Muster zu erkennen, zu reflektieren statt zu reagieren. Auch wenn du nie eine andere Person coachst: allein dafür lohnt sich die Ausbildung. Das ist der Teil, von dem ich selbst am meisten profitiert habe — und der sich bis heute auszahlt.
Mein eigener Weg: von Wien über Vancouver und wieder retour
Meine Coaching-Ausbildung baut auf den Lehren von Milton Erickson auf, der gemeinsam mit Marilyn Atkinson zu den Wegbereitern des modernen Coachings zählt. Meine erste Ausbildung habe ich in Wien absolviert, später bin ich direkt zur Quelle gegangen und wurde in Vancouver von Marilyn Atkinson selbst ausgebildet. Zusätzliche Ausbildungsstationen waren Polen und Serbien.
Coach zu werden ist ein doppelter Weg: Es gibt die Ausbildung, die Bildung, die Zertifizierung — und es gibt das Verstehen und Wachsen. Genau das ist das Wesen des Coachings: Man absolviert nicht einfach eine Ausbildung und ist dann Coach. Man wird ausgebildet und beginnt dann zu verstehen, worum es beim Coaching eigentlich geht. Man wird zu einer kontinuierlich lernenden Person auf dem Weg zum Coach. Und das ist wunderbar — genau das bringt einen immer weiter.
Die richtige Coaching-Ausbildung wählen
So jetzt aber. Welche Ausbildung ist die richtige? Tricky Questions. Erickson war meine Wahl, und die Ausbildung hat mir genau das gegeben, was ich brauchte: ein starkes System, das mich nicht nur ausgebildet, sondern auch bei den administrativen Seiten des Aufbaus einer Coaching-Praxis unterstützt hat. Das heißt nicht, dass es die einzige Option ist oder dass man die Ausbildungsstätte nicht wechseln kann. Aktuell mache ich zum Beispiel einen kleinen Schwenk und beschäftige mich verstärkt mit der somatischen Seite des Coachings — etwas, das ich zu Beginn meiner Coaching-Laufbahn wahrscheinlich nicht angerührt hätte.
Es gibt zwei große Dachorganisationen, die Standards im Feld setzen: die ICF (International Coach Federation) und die EMCC (European Mentoring and Coaching Council). Coaching-Ausbildungen reichen von wenigen Tagen bis zu zwei Jahren, weshalb es essenziell ist, die Ethik des Coachings zu verstehen, zu wissen, was ein Coach sein kann und was nicht, und die unterschiedlichen Ausbildungsformen zu vergleichen, bevor du dich festlegst.
Praktische Schritte für die Wahl der Ausbildungsstätte:
-
Sprich mit ein paar Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Schulen. (Gerne vermittle ich dir meine vertrauenswürdigen Kontakte bei Erickson — in Österreich, Vancouver oder Polen.)
-
Informier dich über den Ablauf und finde heraus, was dir liegt und was nicht.
-
Sprich mit einem echten Menschen und vertraue deinem Gefühl, ob es passt — nicht nur der Broschüre.
Coaching ist kein geschützter Begriff — und genau das ist das Problem
-
Jede und jeder kann sich Coach nennen. Mit Ausnahme von Österreich, wo gewisse Mindestvoraussetzungen gelten, ist „Coach“ kein geschützter Begriff. Entsprechend gibt es Life Coaches, Mental Coaches, systemische Coaches, Coaches für so ziemlich alles. Das macht das Feld nur schwer vergleichbar — und genau deshalb bin ich eine große Verfechterin zertifizierter Ausbildung und Coaching-Zertifizierung.
-
Es gibt viele Coaches, die behaupten, sie könnten deine Probleme lösen, dir den Weg weisen und dir helfen, deine Träume zu verwirklichen und deine Visionen zu erreichen. Wenn du solche großen Versprechen hörst, sei vorsichtig. Genau darum geht es beim Coaching nämlich nicht. Überhaupt nicht.
-
Innerhalb der zertifizierten Ausbildungen gibt es eine grobe Unterscheidung zwischen Coaches der Lebens- und Sozialberatung und Coaches, die der Unternehmensberatung zuzuordnen sind (obwohl Coaching keine Beratung ist …). Erstere verfolgen tendenziell einen eher therapeutischen Ansatz — sie arbeiten unter Umständen auch mit vergangenen belastenden Erfahrungen und Traumata, und dafür sind sie entsprechend ausgebildet. Business Coaches arbeiten zwar mit ähnlichen Modellen und Strategien, kommen aber aus einem anderen Blickwinkel, und ihr Fokus liegt nie auf der Arbeit mit Trauma bzw. der Vergangenheit, sondern auf Themen, die mit Beruf, Karriere und Zusammenarbeit in Zusammenhang stehen. Im Mittelpunkt steht bei beiden aber „das System Mensch“. Grundsätzlich und grob gesagt, greifen beide Richtungen auf dieselben Modelle, Theorien und ethischen Grundlagen zurück. Mach dir also klar, welche Richtung du einschlagen möchtest, bevor du eine Ausbildung wählst — die Wege unterscheiden sich deutlich.
Was die ICF-Zertifizierung tatsächlich bedeutet
Für den Einstieg ist ACC (Associate Certified Coach) die erste Stufe der ICF-Leiter — dafür braucht es rund 60 Stunden coachspezifische Ausbildung und 100 Stunden dokumentierte Coaching-Praxis, deutlich unterhalb der 500-Stunden-Marke für PCC. Das ist ein guter erster Meilenstein: genug, um zu zeigen, dass du ein echtes Coaching-Gespräch führen kannst, ohne den mehrjährigen Weg, den PCC erfordert.
Das PCC-Level — eine der professionellen ICF-Zertifizierungsstufen — zu erreichen, braucht rund 500 Stunden Coaching-Praxis sowie Supervision und Mentoring. Es dauert ein paar Jahre, dorthin zu kommen, und genau das ist der Punkt. Das lässt sich nicht abkürzen oder beschleunigen. Es erfordert, im Moment stehen zu können, der Methodik zu vertrauen, den Fragen zu vertrauen und der eigenen Intuition als Coach zu vertrauen.
Also — solltest du Coach werden?
Meine Coaching-Erfahrung hat mir so viel Selbstvertrauen und Freude gegeben, dass ich sie fast jeder und jedem empfehlen kann — in irgendeiner Form: als vollständige Karriere, als Führungskompetenz oder einfach als Weg, sich selbst besser zu verstehen. Sei zuerst ehrlich zu dir selbst bei der Frage nach dem „Warum“, wähl deine Ausbildungsstätte mit Bedacht, und behandle es als das, was es tatsächlich ist: ein Beruf — und eine Berufung.
Fragen & Antworten:
Wie werde ich Coach?
Beginne mit der Frage nach dem Warum — die ehrliche Antwort darauf prägt alles Weitere. Wähl danach eine akkreditierte Coaching-Ausbildung (achte auf eine ICF- oder EMCC-Akkreditierung), absolviere die Ausbildung, und rechne je nach angestrebtem Level mit ein bis mehreren Jahren bis zur Zertifizierung.
Ist Coach ein geschützter Beruf?
Nein, grundsätzlich nicht — „Coach“ ist fast nirgendwo ein geschützter Begriff, Österreich bildet mit geringen gesetzlichen Anforderungen eine Teilausnahme. Genau deshalb ist eine zertifizierte, akkreditierte Ausbildung wichtig: Jede und jeder kann sich unabhängig vom Können Coach nennen.
Wie lange dauert es, zertifizierte Coach zu werden?
Je nach Zertifizierungsstufe zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren. Die ICF-Einstiegsstufe (ACC) benötigt rund 60 Stunden Ausbildung und 100 Stunden Praxis; die nächste Stufe (PCC) erfordert etwa 500 Stunden Praxis plus Supervision, was realistisch ein paar Jahre dauert.
Ist Coach werden ein guter Karriereweg?
Es kann sehr erfüllend sein, ist aber nicht der leichte, gut bezahlte Lifestyle, als der es manchmal verkauft wird. Der Markt ist umkämpft, der Preisdruck real, und Coaching-Plattformen behalten oft 60–80 % dessen, was Kundinnen und Kunden zahlen — der Coach erhält nur einen Bruchteil.
Was unterscheidet Life Coaching von Business Coaching?
Life Coaches verfolgen meist einen eher therapeutischen Ansatz und sind für die Arbeit mit vergangenem Trauma ausgebildet; Business Coaches nutzen ähnliche Modelle, konzentrieren sich aber auf berufliche und Führungskontexte und arbeiten nicht mit Trauma. Welcher Weg passt, hängt davon ab, in welchem Umfeld du arbeiten möchtest.
Braucht man eine Zertifizierung, um eine gute Coach zu sein?
Wenn du vertrauenswürdig, ethisch und wirksam arbeiten möchtest: ja — Coaching ist eine Fähigkeit und eine Disziplin, die sich nicht allein mit guten Absichten ersetzen lässt. Wenn du Coaching-Kompetenzen nur für die eigene Führungsarbeit möchtest, kann ein informelles Format wie ein Seminar ausreichen.
Kann ich Coaching-Skills nutzen, ohne professionelle Coach zu werden?
Ja — viele Führungskräfte lernen Coaching-Techniken einzig, um ihre Teams besser zu führen, nicht um zertifizierte Coaches zu werden. Kernkompetenzen wie Fragen statt Sagen und Raum halten statt Antworten geben lassen sich auch ohne jahrelange Ausbildung erlernen.
Was ist Selbstführung, und wie hängt Coaching damit zusammen?
Selbstführung bedeutet, Coaching-Techniken auf sich selbst anzuwenden — die eigenen Muster zu hinterfragen, beim eigenen „Warum“ zu verweilen, zu reflektieren statt zu reagieren. Viele ausgebildete Coaches sagen, dass dieser persönliche Nutzen alles übertrifft, was sie später für Kundinnen und Kunden leisten.
Wo können Führungskräfte in Österreich praxisnahes Coaching-Training bekommen?
Die Austrian Leadership Academy bietet Inhouse-Seminare an — „Coaching as a Leadership Skill“ und „Coaching as a Team Skill“ — konzipiert für Führungskräfte und Teams als praktischer Einstieg, ganz ohne vollständigen Zertifizierungsweg.